ZWEIEINHALB WOCHEN NACH DER FLUTKATASTROPHE IN RHEINLAND-PFALZ

Es ist jetzt ca. 18 Tage her, dass ganze Ortschaften durch die Flutkatastrophe zerstört wurden, dass die Ahr eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat. Der Wiederaufbau hat begonnen, doch immer noch werden Opfer geborgen und Menschen vermisst. 

Ein kleiner Rückblick

Nach Dauerregen und örtlich extrem starken Regenfällen am Mittwoch, 14. Juli, und in der Nacht zu Donnerstag , 15. Juli, gibt es in Rheinland-Pfalz Überflutungen in nie gekanntem Ausmaß. In der Region Trier stehen zahlreiche Orte unter Wasser. Besonders schwer getroffen ist jedoch das Ahrtal im Kreis Ahrweiler. 

Unvorstellbare Wassermassen reißen Häuser und Brücken mit, die Pegel steigen in nie gekannte Höhen. Normalerweise hat die Ahr einen Pegel von ca. 60 cm doch in dieser Nacht steigt der Pegel auf 7-8 m. Eine kaum vorstellbare Flutwelle. Die ganze Tragweite der Katastrophe wird langsam am Donnerstagmorgen deutlich. In dem Vorher-Nachher-Foto der Gemeinde Altenahr ist deutlich zu sehen, wie das Flüsschen Ahr zu einem reißendem Strom wird und Altenahr überschwemmt.

Altenahr 2011 - vor der Hochwasserkatastrope
Altenahr 2011 – vor der Hochwasserkatastrope
Altenahr 2021 - das Hochwasser hat den malerischen Ort komplett zerstört
Altenahr 2021 – das Hochwasser hat den malerischen Ort komplett zerstört

Die Zahlen: 134 Opfer der Flutkatastrophe sind bisher geborgen, 73 Menschen sind bis heute vermisst. 766 Menschen werden verletzt (Stand: 28.07.2021). 42.000 Menschen sind vom Hochwasser betroffen. Die Schäden gehen in die Milliarden.

Die Lage in den Hochwassergebieten bleibt zunächst unübersichtlich, Strom- und Mobilfunknetz sind ausgefallen, genauso wie die Gas- und Wasserversorgung. Vier Kreise rufen den Katastrophenfall aus. In Trier wird der Stadtteil Ehrang im Laufe des Donnerstags wegen Hochwasser geräumt, darunter auch ein Krankenhaus und ein Seniorenheim. Ganze Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten, zahlreiche Straßen und Brücken zerstört.

Tausende Rettungskräfte sind im Einsatz, auch die Bundeswehr ist im Katastrophengebiet. Unzählige Freiwillige helfen bei der Rettung. Alleine mit Hubschraubern werden 330 Personen von Dächern und aus Bäumen geholt. Der Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), spricht von der größten Katastrophe der Region seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Rettungseinsätze ziehen sich bis in den Freitag hinein. Zunächst gelten 1.300 Menschen vermisst, die Opferzahlen steigen. Alleine in einer Einrichtung für behinderte Menschen in Sinzig werden insgesamt zwölf Personen tot geborgen.

SHUTTLE-BUSSE FÜR HELFER

Weitere befürchtete Unwetter bleiben in den Hochwasserregionen aus. Nun sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Im Mittelpunkt stehen das Beseitigen und der Abtransport von Unrat und Müll, der tonnenweise entsorgt wird. Unzählige Freiwillige helfen vor Ort beim Aufräumen. Die Hilfsbereitschaft im Kreis Ahrweiler ist so gewaltig, dass aktuell nur Anwohner, Einsatzkräfte sowie Beschäftigte der Verwaltungsbehörden und der Müllabfuhr in die Sperrzone fahren dürfen. Für alle anderen Helfenden gibt es Shuttle-Busse in die Region.

INFRASTRUKTUR TEILWEISE VÖLLIG ZERSTÖRT

Schon jetzt steht fest, dass die Flut die Region verändern und der Wiederaufbau lange dauern wird. Das finanzielle Ausmaß der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz ist noch unklar. Das Finanzministerium des Landes geht alleine bei den sichtbaren Schäden von einer Milliardenhöhe aus.

Die Infrastruktur ist teilweise völlig zerstört. Aktuell wird das Mobilfunk- und Festnetz wieder aufgebaut. In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen muss die Deutsche Bahn sieben Strecken komplett neu bauen oder sanieren. Nach Angaben der Bahn sind 600 Kilometer Schiene zerstört und 80 Bahnhöfe teilweise schwer beschädigt. Eine Gasleitung im Kreis Ahrweiler ist ebenfalls über mehrere Kilometer völlig zerstört, der Wiederaufbau könnte bis in die kalte Jahreszeit dauern.

Eine weitere Behelfsbrücke in Bad Neuenahr wurde am 01.08.2021 in Betrieb genommen

Auch zahlreiche Straßen sind zerstört. Insgesamt riss die Flut außerdem 60 Brücken mit. Aktuell werden fünf Behelfsbrücken über die Ahr aufgebaut. Dies ist besonders wichtig für die Infrastruktur, denn immer noch müssen Einsatz- und Hilfskräfte weite Umwege fahren, um über den Fluss zu kommen.

„FLUT WIRD NARBEN HINTERLASSEN“

In der Politik wird nun der Katastrophenschutz diskutiert. Der Landkreistag fordert neue Warnsysteme. In der Katastrophenregion selbst wird neben den Aufräumarbeiten nun auch die Aufgabe der Seelsorger immer wichtiger. Im Ahrtal haben viele Menschen großes Leid erlebt. Für Helfer und Betroffene gibt es nun eine kostenlose Seelsorge-Hotline. „Diese Flut hat Narben hinterlassen“, fasst der Ortsbürgermeister der schwer betroffenen Gemeinde Schuld, Helmut Lussi, zusammen: „Narben, die man nicht vergisst, die nicht zu bewältigen sind.“

Das alles hätte verhindert werden können. Es wurde rechtzeitig darauf hingewiesen – nur die Bewohner, die jetzt Betroffenen, die Opfer… diese wurden nicht gewarnt. 

In den Medien wird kaum noch so viel berichtet darüber. Wir werden euch aber weiterhin auf dem Laufenden halten und euch informieren. Und wir bitten euch weiterhin um Geldspenden. Zum Beispiel für die Einrichtung in Sinzig, das Lebenshilfehaus. Alles zu dem Spendenaufruf findet ihr unter diesem Link.

Bitte vergesst die Menschen nicht! Helft ihnen weiter. Und natürlich möchten wir uns, auch im Namen derer, denen wir bisher auf Grund eurer Spenden helfen konnten, ganz herzlich bedanken. Ihr habt damit schon einigen Menschen sehr geholfen!

Author: Annie

Geboren im Januar 1977, erster Campingurlaub mit den Eltern 1978 in Steckelsdorf in einem ausgebauten Bauwagen, ab 1979 dann Camping in einem Klappfix CT 6-1 Trigano. Dann regelmäßig Camping an der Ostsee (Zinnowitz/Usedom), Prerow und andere Orte in Mecklenburg. Aber auch in der Tschechei. Heutzutage gehe ich gerne und viel wandern und erkunde viele Outdoor Aktivitäten mit Neugier und Spaß.

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