Im Interview Herbertz GmbH Solingen stellen wir eines der führenden Unternehmen Europas im Bereich Schneidwaren, Sport-, Lifestyle- und Haushaltsprodukte vor. Die Herbertz GmbH wurde 1868 in Solingen gegründet und gehört heute zu den etabliertesten Anbietern der Branche. Neben der erfolgreichen Eigenmarke Herbertz bietet die Firma unter anderem Produkte der weltbekannten Hersteller Opinel, Marttiini, Morakniv, Thermacell, Gomatic, Buck und Yaxell an und vertreibt diese – zum größten Teil auf exklusiver Basis – nicht nur in der DACH-Region, sondern auch im weiteren europäischen Ausland. Durch die kontinuierliche Erweiterung des Sortiments ist die Herbertz GmbH inzwischen einer der europaweit führenden Anbieter, nicht nur rund um Schneidwaren. Am Standort Solingen beschäftigt das Unternehmen rund 25 Mitarbeiter.
EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN – DAS GESPRÄCH
Seit über 150 Jahren steht Herbertz für Kontinuität, Handelstradition und ein fein verzweigtes Netzwerk in der Outdoor- und Schneidwarenwelt. Doch was bedeutet das konkret im heutigen Marktumfeld? Welche strategischen Entscheidungen prägen die Zukunft des Unternehmens – und welche Haltung steckt dahinter?
Wir haben mit Geschäftsführer Lars Horsch gesprochen.

Was macht Herbertz als Unternehmen so besonders? Was ist der USP?
Der wesentliche USP von Herbertz ist unser über Jahrzehnte gewachsenes Distributionsnetz, einzigartig in seiner Art und eines der stärksten in der DACH-Region, wenn es um Outdoor- und Schneidwaren geht. Zweitens die über Jahre gewachsenen und gepflegten Partnerschaften mit global erfolgreichen Top-Marken wie Opinel, Thermacell und Gomatic.
Wie ist es gelungen, ein so umfangreiches Markenportfolio aufzubauen?
Herbertz ist längst mehr als ein Messerhersteller mit 150 Jahren Tradition. Heute verstehen wir uns als großer Anbieter für Outdoor- und Lifestyle-Produkte mit rund 20 Marken im Portfolio. Das Fundament bilden zwei Komponenten: Erstens unser unvergleichlich breites Distributionsnetz mit über 3.000 aktiven Handelspartnern in 20 Ländern. Zweitens die zuverlässige und kontinuierliche Verfügbarkeit der Produkte durch unsere eigene Lagerhaltung und den hohen Qualitätsanspruch an Lieferperformance und Customer Service. Unser Netzwerk, unsere Verlässlichkeit und Kundenorientierung sind in jedem Fall das Herzstück des Erfolgs.
Wer sind eure größten Wettbewerber, und wo grenzt ihr euch ab?
In unserer Größe gibt es keinen direkten Wettbewerber. Im Schneidwarenbereich sehen wir Traditionsmarken aus Solingen wie Böker, Wüsthof oder Zwilling als Mitbewerber. Allerdings sind diese keine Großhändler und führen auch keine Outdoor-Marken. Unser entscheidender Vorteil ist daher die Breite des Portfolios: Neben Schneidwaren bieten wir attraktive Outdoor- und Lifestyle-Produkte wie Taschenlampen, Mückenabwehrgeräte, Kühlboxen oder Trinkwaren. Ein Beispiel für eine aktuelle Ergänzung ist die Marke Beka.
Welche Markttrends beobachtest du – und wie positioniert sich Herbertz dazu?
Die großen Trends aus unserer Sicht sind Outdoor/Camping, Kochen und natürlich das Thema Nachhaltigkeit. Seit Corona verbringen Menschen deutlich mehr Zeit draußen. Viele haben ihr Verhalten verändert, statt auf ferne Kontinente zu reisen, genießen sie die Natur vermehrt in ihrer Region, entdecken die Umgebung neu oder schaffen sich beispielsweise ein Wohnmobil an. Von diesem Outdoor- und Campingtrend profitieren wir natürlich in hohem Maße.
Wir profitieren auch nach wie vor von dem neuen Küchentrend, der während der Pandemie- Zeit losgetreten wurde. Die Menschen verbrachten mehr Zeit in ihren Küchen, jeder wollte sich mit hochwertigem Equipment ausstatten. Die Wertschätzung für Komfort, Funktionalität und Design von Küchengeräten ist langfristig gestiegen.
Auch das Thema Nachhaltigkeit passt perfekt zu uns. Unsere Produkte sind von Natur aus langlebig und damit per se nachhaltig. Zusätzlich arbeiten wir mit Partnern zusammen, die diesem Thema einen besonders hohen Stellenwert einräumen. Ein Beispiel ist Opinel, wo konsequent darauf geachtet wird, Materialien entweder zu recyceln oder aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Auch Thermacell hat einen großen Schritt getan: Mit der Verwendung von Citriodiol wurde ein natürlicher Wirkstoff entwickelt, der zeigt, dass es nicht immer Chemie braucht, sondern Biowirkstoffe ebenso wirksam sind.
Wir haben viele Lieferanten, die Nachhaltigkeit fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert haben. Zudem legen auch unsere wichtigsten Handelspartner, darunter Globetrotter, Bergfreunde sowie große Player wie Frankonia oder die Askari Angelfachmärkte, großen Wert darauf. Denn ihre Endkunden messen dem Thema mittlerweile eine deutlich höhere Bedeutung bei.
Wo liegen Chancen und Risiken für die Zukunft?
Große Chancen für uns liegen im Online- und B2C-Bereich, da wir hier noch erhebliches Wachstumspotenzial sehen. Wir sind überzeugt, dass wir einen gesunden Anteil zwischen 20 und 30 Prozent entwickeln können, und genau das ist unser Ziel.
Auf dem Weg zu diesem Ziel werden insbesondere Partnerschaften und Zusammenschlüsse mit den Plattformen aus dem Portfolio unseres neuen Inhabers wie etwa den Online-Shops hood.de oder taschen24.de und das umfangreiche E-Commerce-Know-How der Gruppe sehr hilfreich sein.
Darüber hinaus ergeben sich auch große Chancen für uns dort, wo wir eine klare Alleinstellung haben, etwa mit Thermacell, einem nahezu konkurrenzfreien Produkt. Zusätzlich sehen wir Potenzial in speziellen Nischensegmenten, die neue Zielgruppen oder Leidenschaften bedienen. Ein Beispiel dafür ist unsere neue Marke Black Chili. Sehr spezielle Carbonstahlmesser, die besondere Pflege und Hingabe erfordern und genau dadurch ein einzigartiges Angebot darstellen.
Welche Neuerungen stehen bei Herbertz an?
Das wichtigste Projekt ist der Rebranding- und Relaunch-Prozess unserer Traditionsmarke Herbertz. Wir straffen das Sortiment, versehen alle Produkte mit unserem unverwechselbaren, leicht modernisierten Logo und überarbeiten unseren Online-Shop Herbertz.com. Zudem modernisieren wir die Herbertz-Messerkollektion im Hinblick auf Design, Funktion und Materialien – von Küchen- und Kindermessern bis hin zu Outdoor-, Jagd- und Angelmessern. Gleichzeitig achten wir darauf, unser Portfolio mit rund 20 Marken klar fokussiert zu halten.
Was bedeutet die Neuausrichtung konkret?
Im Kern heißt das 100 % Fokus auf die eigene Marken-Identität, ein Top-Marken-Portfolio und auf Qualitätsmanagement. Wir stellen Verlässlichkeit und Prozessqualität sicher, indem wir uns auf unsere Kernkompetenzen Vertrieb und Distribution konzentrieren. Viele Funktionen, wie Logistik, HR, Buchhaltung oder Teile des Marketings wickeln wir mit spezialisierten und kompetenten Partnern ab.
Grundsätzlich setzen wir konsequent auf kompetente und additive Partnerschaften mit Lieferanten, funktionalen Providern und großen Handelspartnern.
Geht es mit der Eigenmesserlinie zurück zu den Wurzeln?
Ja.

Was treibt dich an? Was ist deine Vision für Herbertz?
Wir wollen unsere Tradition bewahren und die Herkunft Solingen hochhalten. Gleichzeitig wollen wir als Outdoor- und Lifestyle-Anbieter wachsen, indem wir die weiterhin großen Potenziale in der B2B-Distribution konsequent ausschöpfen und unser B2C-Geschäft deutlich erhöhen, ohne den Fokus auf unsere B2B-Partnerschaften zu verlieren. Ziel ist es, beides parallel zu entwickeln, um Umsatz und Ergebnis nachhaltig zu steigern.
Mein Wunsch ist, dass Herbertz-Produkte wieder wie früher von Generation zu Generation weitergegeben werden – vom Vater oder Opa zum Kind.

TRADITION WEITERDENKEN – MIT KLAREM KURS
Das Gespräch mit Lars Horsch zeigt: Herbertz setzt nicht nur auf gewachsene Strukturen, sondern auf eine bewusste Weiterentwicklung mit Augenmaß. Zwischen Tradition und Moderne, Distribution und Markenidentität, Nachhaltigkeit und Innovation positioniert sich das Unternehmen klar für die kommenden Jahre.
Ein Blick auf 150 Jahre Geschichte – und gleichzeitig nach vorn.

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