Reisemarkt 2025: Mehr Reisen, mehr MICE – und die Frage nach echter Nachhaltigkeit

Silhouette eines Reisenden mit Koffer vor großen Flughafenfenstern mit startenden Flugzeugen – Symbol für globale Mobilität und internationalen Tourismus.
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Der internationale Reisemarkt hat sich stabilisiert. 2025 stieg die Zahl der weltweiten Auslandsreisen um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die extremen Wachstumsraten der unmittelbaren Post-Pandemie-Zeit flachen ab, die Dynamik pendelt sich wieder im einstelligen Bereich ein. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine gute Nachricht für eine Branche, die in den vergangenen Jahren starke Schwankungen erlebt hat. Doch hinter den Zahlen stellt sich eine entscheidende Frage: Wohin entwickelt sich das Reisen – und welche Rolle spielt echte Nachhaltigkeit dabei?

STABILE NACHFRAGE – DEUTLICHE REGIONALE UNTERSCHIEDE

Europa wuchs 2025 mit plus vier Prozent im Gleichklang mit dem weltweiten Durchschnitt. Nordamerika verzeichnete hingegen ein leichtes Minus von einem Prozent, während Asien moderat um fünf Prozent zulegte. Besonders dynamisch entwickelte sich Südamerika: Mit einem Wachstum von elf Prozent war die Region der klare Spitzenreiter.

Auffällig ist, dass interkontinentale Reisen deutlich zugenommen haben. Fernreisen sind zurück – ebenso wie eine steigende durchschnittliche Reisedauer von rund neun Nächten. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben pro Reise um fünf Prozent. Unterkunft bleibt dabei der größte Kostenblock, gefolgt vom Transport.

Diese Zahlen zeigen: Die Lust am Reisen ist ungebrochen. Doch die Art des Reisens differenziert sich zunehmend aus.

URLAUB DOMINIERT – NATUR- UND RUNDREISEN LEGEN ZU

Rund drei Viertel aller weltweiten Auslandsreisen entfielen 2025 auf Urlaubsreisen. Besonders gefragt bleiben klassische Sun-&-Beach-Destinationen – Spanien führte erneut die Liste der beliebtesten Ziele an.

Wanderer auf befestigtem Naturweg mit Hinweisschild und dichter Vegetation auf La Palma – Beispiel für Besucherlenkung im sensiblen Naturraum.
Besucherlenkung schützt empfindliche Ökosysteme und erhält Naturerlebnisse langfristig

Gleichzeitig verzeichneten Rundreisen und Urlaube auf dem Land überdurchschnittliches Wachstum. Landschaft, Naturerlebnis und regionale Authentizität gewinnen an Bedeutung. Auch europäische Destinationen wie die Schweiz und Österreich erzielten hohe Zufriedenheitswerte – vor allem im Bereich Natur und Landschaft.

Hier zeigt sich eine Entwicklung, die auch für Outdoor-orientierte Reisekonzepte relevant ist: Reisende suchen verstärkt nach Qualität, Weite und echtem Naturbezug – nicht nur nach Infrastruktur und Service.

MICE MIT STARKEM REBOND

Neben dem Urlaubssegment legte 2025 auch der Geschäftsreisemarkt überdurchschnittlich zu. Mit einem Wachstum von sechs Prozent erreichte er erstmals wieder das Niveau von 2019. Besonders dynamisch entwickelten sich MICE-Reisen – also Meetings, Incentives, Conferences und Exhibitions – mit einem Plus von acht Prozent.

Große Menschenmenge in moderner Messehalle mit internationalen Ausstellern – Sinnbild für wachsende Tourismusbranche.
©itb.com Tourismus als globaler Wachstumsmarkt: Hohe Besucherzahlen stehen für wirtschaftliche Bedeutung – und strukturelle Herausforderungen

Branchenveranstaltungen, Kongresse und internationale Messen gewinnen damit erneut an Bedeutung. Für die Tourismuswirtschaft ist das ein starkes Signal. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese Form des Reisens künftig verantwortungsvoll gestaltet werden kann – insbesondere im Hinblick auf Emissionen, Ressourcennutzung und nachhaltige Veranstaltungsformate.

HOHE ZUFRIEDENHEIT – ABER NACHHALTIGKEIT BLEIBT SCHWACHPUNKT

Im Destination Performance Index wurden 2025 vor allem Service, Unterkunft und Angebotsvielfalt positiv bewertet. Dubai, Abu Dhabi, die Bahamas und Brasilien zählten zu den Spitzenreitern bei der Gesamtzufriedenheit.

Auffällig ist jedoch: In einigen stark nachgefragten Destinationen wurde Nachhaltigkeit vergleichsweise kritisch bewertet. Themen wie Overtourism, Ressourcenverbrauch und ökologische Belastung bleiben präsent – sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch in der Wahrnehmung vieler Reisender.

Großes Kreuzfahrtschiff im Hafen vor Küstenstadt – Beispiel für maritimen Tourismus und infrastrukturelle Belastung.
Kreuzfahrttourismus zwischen Komfort, Wirtschaftsfaktor und ökologischer Debatte

Wachstum allein reicht nicht mehr aus, um langfristig erfolgreich zu sein. Qualität und verantwortungsvolle Entwicklung werden zu zentralen Faktoren.

ZWISCHEN WACHSTUM UND VERANTWORTUNG

Die Prognosen für 2026 deuten auf eine weiterhin stabile Nachfrage hin. Das Reiseverhalten bleibt grundsätzlich konstant, die Wachstumsraten bewegen sich auf Vor-Pandemie-Niveau.

Für Destinationen, Veranstalter und Branchenplattformen bedeutet das: Die Herausforderung liegt nicht mehr im reinen Wiederaufbau, sondern in der Balance. Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit müssen gemeinsam gedacht werden.

Gerade kleinere Regionen und naturorientierte Reiseziele können hier neue Chancen nutzen. Wer Landschaft schützt, Besucherströme lenkt und regionale Wertschöpfung stärkt, positioniert sich langfristig stabiler als reine Volumen-Destinationen.

FAZIT: REISEN BLEIBT – DIE BALANCE ENTSCHEIDET

Der Reisemarkt 2025 zeigt eine klare Stabilisierung. Urlaub dominiert weiterhin, Geschäftsreisen kehren zurück, Südamerika wächst besonders stark. Doch mit der Rückkehr zur Normalität rückt eine andere Frage stärker in den Mittelpunkt: Wie nachhaltig ist dieses Wachstum?

Person auf schmalem Felsgrat mit Kettenabsperrung über dem Meer auf La Palma – Symbol für Balance im nachhaltigen Tourismus.
Ein schmaler Grat: Zwischen Naturerlebnis und Schutz sensibler Landschaften entscheidet verantwortungsvolles Handeln

Reisen wird bleiben. Die Sehnsucht nach Ferne, Natur und Begegnung ist tief verankert. Entscheidend wird jedoch sein, wie bewusst diese Mobilität gestaltet wird. Zwischen wirtschaftlicher Dynamik und ökologischer Verantwortung liegt die eigentliche Zukunft des Tourismus – und genau dort entscheidet sich, ob Wachstum langfristig tragfähig ist.

Schwarz-weiße Bergsilhouette mit Nadelbäumen und sanften Hügeln – stilisiertes Naturmotiv als Signaturgrafik.

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Author: Annie Knitter

Geboren im Januar 1977, begann ihre Outdoor-Reise schon 1978 im ersten Campingurlaub mit den Eltern – damals noch in einem ausgebauten Bauwagen in Steckelsdorf. Ab 1979 war der Klappfix CT 6-1 Trigano ständiger Begleiter: Sommer für Sommer ging es damit an die Ostsee nach Zinnowitz, nach Prerow oder an andere Lieblingsorte in Mecklenburg. Auch Abstecher in die damalige Tschechei gehörten dazu und prägten früh die Begeisterung fürs Draußensein. Heute ist Annie noch immer am liebsten draußen: Sie wandert leidenschaftlich gern, entdeckt mit Neugier neue Outdoor-Aktivitäten und genießt es, Natur aus allen Blickwinkeln zu erleben. Aus dieser Liebe zur Freiheit unter freiem Himmel entstand auch die Idee für STAY WILD – Outdoor – ein Magazin, das die Faszination für Abenteuer, Achtsamkeit und Natur mit euch teilt.