STAY WILD – OUTDOOR

Ein Jahr in der AMOK DRAUMR* – und was das wirklich bedeutet

AMOK DRAUMR 5.0 im Langzeittest mit geöffnetem Eingang unter Gewebeplane und Tarnnetz sowie Campingstuhl daneben.

Nach über einem Jahr Dauernutzung wurde die AMOK DRAUMR 5.0 zu einem vollwertigen Mikro-Zuhause unter freiem Himmel

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365 Tage. Vier Jahreszeiten. Temperaturen von hochsommerlicher Hitze bis zu eisigen Minusgraden. Und die meiste Zeit in einer Hängematte. Was zunächst nach einem außergewöhnlichen Experiment klingt, wurde im Laufe eines Jahres zu einem ganz normalen Alltag. Die AMOK DRAUMR 5.0 wurde ursprünglich für Trekkingtouren und Outdoor-Abenteuer entwickelt, für einzelne Nächte oder einige Tage in der Natur. Doch in diesem Selbstversuch wurde sie zu etwas völlig anderem: einem dauerhaften Wohn- und Schlafraum unter freiem Himmel.

Dabei zeigte sich vor allem eines: Nicht die Ausrüstung musste sich an mich anpassen, sondern ich lernte, meinen Alltag an das Leben draußen anzupassen.

Von außen wirkt das Setup schlicht – tatsächlich steckt darin ein über Monate optimiertes Ganzjahressystem.

UNTERBRECHUNGEN? JA. WIRKLICHE PAUSEN? KAUM.

Ein Jahr draußen zu schlafen bedeutet nicht zwangsläufig 365 Nächte ohne Unterbrechung. Doch jede Ausnahme hatte ihren Grund und selbst dann blieb ich, wenn möglich, im Freien.

JULI: KATZENSITTING IN BONN

Zweieinhalb Wochen lang stand eine Wohnung zur Verfügung. Geschlafen wurde trotzdem auf dem Balkon. Ein Bett im Innenraum war nie eine ernsthafte Option.

SEPTEMBER: HOTEL IN MALCESINE

Sieben Tage Urlaub bedeuteten sechs Nächte im Hotel. Zum ersten Mal seit Langem wieder in einem richtigen Bett und es überrascht nicht, dass es sich völlig ungewohnt anfühlte. 

NOVEMBER: PRAG BEI MINUSGRADEN

Drei Nächte in der tschechischen Hauptstadt, zwei davon auf dem Balkon bei Temperaturen um –8 °C. Erst in der dritten Nacht machte das Wetter einen Aufenthalt im Innenraum unvermeidbar.

DEZEMBER: MÜNCHEN

Ein Hotelzimmer, das eher an eine Sauna erinnerte als an einen Schlafplatz. Ironischerweise war es genau dort, wo mich eine Erkältung erwischte.

JANUAR: ERNEUT PRAG

Diesmal drei Nächte vollständig im Innenraum. Der Grund war pragmatisch: Die Anreise mit dem Flixbus ließ keinen Transport des kompletten Winter-Setups zu, das ich benötigt hätte um wieder auf dem Balkon zu schlafen.

Komfort spielte im Dauereinsatz eine ebenso wichtige Rolle wie Wetterschutz und Isolation

FEBRUAR: DER UNFREIWILLIG STOPP

Die einzige echte Zwangspause entstand durch Krankheit. Eine beidseitige Nierenbeckenentzündung mit einem CRP-Wert von fast 290 brachte mich gefährlich nah an eine Sepsis. Noch zwei Nächte verbrachte ich in der DRAUMR, bevor Wohnung, Elternhaus und schließlich Krankenhaus die Realität bestimmten. Erst Mitte März war an ein dauerhaftes Leben draußen wieder zu denken.

APRIL: APULIEN UND PRAG

Vom 17. bis 19. April verbrachte ich zwei Nächte in der Tenute. Es folgte die Nacht auf den 20. April am Flughafen in Dubrovnik. Anfang Mai, vom 1. bis 3. Mai, übernachtete ich schließlich zwei Nächte auf einem Campingplatz in Prag – im zum Micro-Camper umgebauten Renault Kadjar.

Auch diese Stationen zeigen, dass das Draußenschlafen längst zum Alltag geworden war: Selbst auf Reisen oder unter besonderen Umständen blieb der Schlafplatz, wann immer es möglich war, außerhalb klassischer Innenräume.

Nach Monaten im Freien gehörten nicht nur Wind und Wetter zum Alltag, sondern auch die regelmäßigen Besuche der gefiederten Nachbarn

VOM OUTDOOR-PRODUKT ZUM MIKRO-ZUHAUSE

WINTERBETRIEB: MEHR ALS NUR EINE HÄNGEMATTE

Die DRAUMR wurde nie als Winterhängematte konzipiert. Trotzdem entwickelte sie sich mit der Zeit zu einem erstaunlich leistungsfähigen Ganzjahressystem.

Ein quer montierter Underquilt isolierte die schrägen Seitenflächen, ergänzt durch eine Bundeswehr-Faltmatte gegen Feuchtigkeit und einen Underquilt Protector. Im Innenraum sorgte ein alter Deckenschlafsack, befestigt an den inneren Gurten, für zusätzlichen Komfort.

Das hintere Moskitonetz wurde von außen gegen Zugluft abgedichtet. Als Topquilt kam ein Deuter Exosphere –11 zum Einsatz, darüber eine dreilagige Kuscheldecke. Das Ergebnis war weit mehr als eine improvisierte Konstruktion. Es war ein geschützter Raum.

Jeder verfügbare Platz wurde funktional genutzt und individuell organisiert.

SOMMERBETRIEB: WENIGER IST MEHR

Mit steigenden Temperaturen verschwand das Winterequipment vollständig. Geblieben sind lediglich zwei leichte Decken, ein meist geöffnetes Moskitonetz, das bei Bedarf gleichzeitig als Windschutz dient, zwei kleine Lichterketten für angenehmes Licht und ein Lavendelsäckchen am Kopfende, das für eine dezente, unaufdringliche Atmosphäre sorgt.

DAS TARP – VOM TOURENZUBEHÖR ZUR DAUERLÖSUNG

Das originale AMOK-Tarp hat das Jahr im Dauereinsatz nicht überlebt. Das ist allerdings weniger als Kritik zu verstehen als vielmehr eine Frage des vorgesehenen Einsatzbereichs: Es wurde für Touren und temporäre Übernachtungen entwickelt, nicht für einen nahezu permanenten Aufbau über viele Monate hinweg.

Inzwischen habe ich es durch eine robuste Gewebeplane ersetzt, die in ihren Abmessungen nahezu identisch mit dem Original ist. Darüber spannt sich zusätzlich ein Tarnnetz.

Das Tarnnetz beeinflusst das Verhalten der Plane positiv und verbessert den Schutz vor Witterungseinflüssen

Dabei geht es keineswegs darum, das Setup zu verstecken oder möglichst unsichtbar zu machen. Das Tarnnetz erfüllt vielmehr eine ganz praktische Funktion: Es verändert das Verhalten der Plane spürbar. Es nimmt Windlasten auf, reduziert Bewegungen bei Böen, schützt die Plane zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung und sorgt insgesamt für ein ruhigeres und stabileres Verhalten des gesamten Aufbaus.

Das Tarnnetz dient nicht der Tarnung, sondern verbessert das Verhalten der Plane bei Sonne und Wind

Aus einer einfachen Überdachung ist so im Laufe der Zeit ein wetterfester, langlebiger und alltagstauglicher Schutzraum geworden, angepasst an die Anforderungen eines Lebens, das deutlich länger draußen stattfindet, als es der ursprüngliche Einsatzzweck jemals vorgesehen hat.

WAS EIN JAHR DRAUßEN WIRKLICH ZEIGT

Der Langzeittest hat Erkenntnisse geliefert, die weit über klassische Produkttests hinausgehen.

Der Innenraum wurde im Laufe des Jahres kontinuierlich an Komfort und Alltag angepasst

VERBESSERUNGSPOTENZIAL AUS SICHT EINES LANGZEITNUTZERS

1. EIN DRAUMR-SPEZIFISCHER UNDERQUILT

Die besondere Liegegeometrie erzeugt seitliche Kältebrücken, die mit universellen Underquilts nur unzureichend abgedeckt werden. Ein speziell angepasster Underquilt mit erhöhten Seitenwangen, sicheren Fixierungspunkten und optionaler Winterversion könnte die thermische Effizienz deutlich verbessern und erstmals ein echtes Vier-Jahreszeiten-System ermöglichen.

2. EIN HEADSHIELD FÜR DEN KOPFBEREICH

Das hintere Moskitonetz bietet im Winter keinen Schutz gegen Strahlungskälte oder Wind. Ein leicht isoliertes, abnehmbares Windpanel für den Kopfbereich würde den Wärmeverlust reduzieren, ohne die Belüftung wesentlich einzuschränken.

3. MODULARE INNENORGANISATION

Die DRAUMR verfügt bereits über durchdachte Details wie Befestigungsgurte sowie je eine Tasche in den beiden oberen Ecken. Im Alltag zeigen sich jedoch Grenzen: Wird das Moskitonetz vollständig geöffnet, verschwindet eine der oberen Taschen praktisch mit ihm und steht nicht mehr sinnvoll zur Verfügung. Auch die beiden kleinen Taschen im unteren Mittelbereich – jeweils eine auf jeder Seite – bieten für den dauerhaften Gebrauch nur begrenzten Stauraum.

Ein modulares Organisationssystem mit zusätzlichen Mesh-Taschen, Gear-Loops oder flexibel anbringbaren Halterungen könnte die vorhandenen Befestigungspunkte sinnvoll ergänzen und die Alltagstauglichkeit insbesondere für Langzeitnutzer deutlich erhöhen. So ließen sich persönliche Gegenstände unabhängig von der Stellung des Moskitonetzes jederzeit griffbereit verstauen.

Auch ohne Bettzeug zeigt sich die DRAUMR als durchdacht organisierter Mikro-Wohnraum

4. EIN TARP FÜR DEN DAUEREINSATZ

Das serienmäßige Tarp erfüllt seinen Zweck auf Touren hervorragend, stößt jedoch bei monatelanger Nutzung an seine Grenzen. Ein UV-beständiges „Long-Term Shelter Tarp“ mit verstärkten Abspannpunkten und höherer Abriebfestigkeit würde eine interessante Zielgruppe ansprechen, vom Balkonschläfer bis zum Micro-Camper.

5. EIN MODULARES ISOLATIONS-BAUKASTENSYSTEM

Viele Nutzer kombinieren heute Underquilt, Protector, Innenliner und Topquilt in Eigenregie. Ein aufeinander abgestimmtes Komplettsystem mit einheitlichen Befestigungspunkten könnte diese Improvisation ersetzen und die DRAUMR zu einem vollständig integrierten Ganzjahresschlafsystem weiterentwickeln.

6. SEPARATE RIDGELINE-TASCHE BEI GEÖFFNETEM MOSKITONETZ

Im Alltag hat sich gezeigt, dass die vorhandene Mesh-Tasche im oberen Bereich nur eingeschränkt nutzbar ist. Wird das Moskitonetz vollständig geöffnet und – wie vorgesehen – in seiner Aufbewahrungstasche verstaut, verschwindet gleichzeitig auch die daran befestigte Mesh-Tasche.

Der modulare Aufbau wurde über Monate immer weiter optimiert und an die täglichen Anforderungen angepasst

Gerade bei längerer Nutzung fehlt dadurch ein leicht zugänglicher Platz für kleine Gegenstände, die auch tagsüber griffbereit bleiben sollen.

Technische Empfehlung:

Im Alltag würde eine solche Lösung den Komfort deutlich erhöhen. Ich selbst hänge beispielsweise meine Lesebrille jeden Abend einfach an die Ridgeline. Das funktioniert zuverlässig und ist praktischer, als sie in einer Tasche zu verstauen – eine kleine, dauerhaft verfügbare Ablage an dieser Stelle wäre jedoch die elegantere und nutzerfreundlichere Lösung.

Je nach Wetter dient das Moskitonetz nicht nur als Insektenschutz, sondern auch als zusätzlicher Windschutz

FAZIT

Nach mehr als einem Jahr ist die wichtigste Erkenntnis überraschend einfach: Die AMOK DRAUMR 5.0 hat sich nicht verändert, mein Blick auf sie schon. Sie ist längst keine Hängematte mehr. Sie ist ein flexibler, modularer Rückzugsort geworden, der zeigt, wie wenig Raum man tatsächlich braucht, um sich zuhause zu fühlen.

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