Pflanzen im Wald und ihre Anwendung

Kräuter des Waldes

Waldspaziergänge oder -wanderungen sind Balsam für die Seele, man tankt auf und kann zur Ruhe kommen. Aber der Wald ist noch viel mehr als eine Ruheoase zum entspannen. Der Wald ist eine Apotheke. So viele Pflanzen im Wald sind wahre Wundermittel und unglaublich vielseitig einsetzbar. Leider haben viele Menschen die Bedeutungen oder Anwendungsmöglichkeiten dieser Wildpflanzen vergessen. 

Die Blüten der Schlüsselblume lindern Migräne und Kopfschmerz, der Sud aus den Wurzeln des Weidenröschens hilft bei Entzündungen der Mundschleimhaut, die Bärentraube stärkt Niere und Blase, der Tee aus dem Gefleckten Lungenkraut vertreibt Husten und Halsschmerzen. Heilkundige nutzen seit Jahrtausenden Sträucher, Kräuter und Bäume. Etliche der  pflanzlichen Heilstoffe stellt längst die Pharmaindustrie her. So löst sich die schmerzlindernde Salicylsäure aus der Rinde von Weiden heutzutage sprudelnd als Aspirin im Wasserglas auf. Die fiebersenkende und antientzündliche Wirkung der Weidenrinde kannte schon der Heiler Hippokrates in der Antike.

Kräuterspaziergang im Wald

Wir wollen euch heute mal ein paar Kräuter und Pflanzen des Waldes vorstellen, die ihr probieren könnt, ohne dem Ökosystem Wald zu schaden. Auch die krautigen Pflanzen leiden unter dem Zivilisationsdruck des Menschen und manche Pflanzen verlieren ihre wichtigsten Verbündeten, die Insekten. Hummel, Falter, Bienen, Schmetterlinge fehlen, um Blüten zu bestäuben. Ameisen kommen nicht mehr vorbei, um die Samen in andere Gegenden des Waldes zu schleppen. Die biologische Vielfalt ist auch in den Wäldern gefährdet, in denen es grünt und krautet.  Wo es Verlierer in der Natur gibt, sprießen auch Gewinner. Stickstoff aus den Auspuffrohren oder der Landwirtschaft ist unter anderem mit dafür verantwortlich, dass heutzutage Pflanzen wie Brombeeren und Brennnesseln auf Waldwiesen und an Wegrändern wachsen, wo sie ursprünglich gar nicht zu finden waren.

Schön nass und nährstoffreich liebt es die Hain- und Blutampfer. An Waldwegen, Ufern und in Auwäldern wächst die Staude ab Juni. Quetscht man sie, tritt ein blutroter Saft aus. Im Spätsommer verfärbt sich die Ampfer ganz und gar blutrot und inspirierte unsere Vorfahren zu allerlei Geschichten über das Kraut, die auch Drachenampfer genannt wurde. Vielleicht hängt das mit ihrer Wirkung gegen bestialische Durchfälle zusammen.

Blutampfer

Bärlauch schmeckt richtig gut im Salat, als Pesto, auf dem Quark oder in der Frühlingssuppe. Auf sehr gut bestückten Wochenmärkten und Gemüseabteilungen findet ihr Bärlauch daher auch als frisches Blattgemüse. Gesund ist der Bärlauch ebenfalls. Er wirkt antibakteriell, hilft gegen Durchfall und Darmerkrankungen, senkt den Blutdruck und beugt Atherosklerose vor.

Barlach

Absolut kein Unkraut: Die Brennnessel  (oben im Bild) ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel, sprießt sie doch schon ab Februar und bringt die besten Nährstoffe aus der Erde mit sich. Reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind Brennnesselspinat und -suppe echte Kraftspender und stärken das Immunsystem. Als Heilpflanze hilft die Brennnessel meistens in Form von Tee bei Rheuma und Gicht, Ermüdungs- und Erschöpfungszuständen und gegen allerlei Allergien.

Die Brombeere beherrscht in vielen unserer Wälder den Boden und die Ränder. Wie Schlingpflanzen ranken die Ausläufer über den Boden, mit denen sich Brombeeren ausschließlich vegetativ vermehren. Sie profitieren vom Stickstoff-Überschuss in der Luft und wuchern deshalb ungebremst. Die Brombeere gibt es genau genommen nicht, denn Brombeeren bestehen aus mehreren 1000 Arten. Deshalb schmecken manche Beeren köstlich und andere nur bitter und sauer. Die Früchte sind botanisch betrachtet gar keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte. Die Blätter bleiben bei vielen Sträuchern auch im Winter grün und sind die Notnahrung von Rehen und anderen Pflanzenfressern, wenn alle anderen Pflanzen in Schnee und Kälte erstarren. Für einen Tee eignen sich die frischen grünen Blätter ab Mitte Mai. Gurgeln mit einem Auszug aus Brombeer-Blättern kann gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum genutzt werden. Auch chronische Hauterkrankungen werden damit gewaschen und behandelt.

Der Wald-Sauerklee wächst und blüht mit zarten Blüten in Laub- und Mischwäldern. Weltweit gibt es mindestens 3000 Arten und Sauerklee ist auch hierzulande häufig. Den Namen trägt der Sauerklee zu Recht. Eine Handvoll der frischen Blätter vertreibt auch den schlimmsten Durst. Und bringt uns ins Hier und Jetzt des Waldes. Kinder lieben übrigens die Erfrischung vom Waldboden.

Bei allen Generationen, egal ob groß oder klein, beliebt. Der Waldmeister. Er färbt unsere berühmte Maibowle und das gleichnamige Speiseeis grün und gibt beiden den unverwechselbaren Geschmack. Der stammt vom Cumarin in den Blättern des Waldmeisters, die am besten im April vor der Blüte geerntet werden. Wir lieben Waldmeister. 

Die Heidelbeere, auch Blaubeere genannt, erfreut Waldspaziergänger und -Wanderer mit leckeren Beeren im Sommer. Man kann im Schatten auf dem Boden sitzen, dem Vogelgezwitscher lauschen, den Duft der Nadelbäume genießen und genüsslich Blaubeeren zupfen bis Hände und der Mund blau sind. Oder die  Heidelbeeren sammeln und zuhause mit Joghurt essen, Pfannkuchen damit backen, Muffins, Käsetorte. Heidelbeeren und ihre Blätter sind auch bei Rehen, bei allerhand Vögeln und anderen Waldtieren sehr beliebt und so kann sich glücklich preisen, wer üppige Heidelbeer-Gründe kennt. Und gesund sind sie auch, enthalten sie reichlich Vitamine, Gerb- und Mineralstoffe. Wer Probleme mit Nierensteinen hatte, sollte hier vorsichtig sein. 

Die Früchte der Waldheidelbeere sind ein echtes Superfood und reich an Anthocyanen
Die Früchte der Waldheidelbeere sind ein echtes Superfood und reich an Anthocyanen

Günsel wird in seinen unterschiedlichen Arten seit dem Mittelalter als Heilpflanze beschrieben. Das Kraut enthält viele Gerbstoffe, weshalb es Wunden zusammenzieht und sie schneller heilen lässt. Innerlich eingesetzt wird Günsel gegen Magengeschwüre, Durchfall und bei Wunden im Mund. Die häufig vorkommenden Arten Kriechender Günsel und Pyramiden-Günsel blühen blau-violett in Laubwäldern und auf Wiesen. Günsel mag frische nährstoffreiche humose Böden und kann im Frühjahr den Salat bereichern mit Löwenzahn, Wegerich, Gundermann und den anderen Frühlingskräutern. Allein schmeckt Günsel zu bitter. Und: Zum Essen immer vor der Blüte pflücken. Für Aufgüsse könnt ihr die ganze oberirdische Pflanze nutzen.

Die Wald-Erdbeere ist nicht etwa eine Wildform der Gartenerdbeere, wie viele vielleicht denken mögen.  Sie wächst bevorzugt in lichten Laub- und Nadelwäldern sowie entlang der Waldränder. Die Wald-Erdbeere bevorzugt sonnige bis halbsonnige Standorte und benötigt feuchte, aber gut durchlässige, nährstoff- und humusreiche Böden.

Die Knoblauchsrauke verdankt ihren Namen ihrem Geruch bzw. Geschmack. Sie eignet sich daher hervorragend als Knoblauchersatz auf dem Butterbrot, im Quark, Salat und auch zum Würzen von Eintöpfen. Die Knoblauchsrauke wächst im Wald auf freigeschlagenen Stelle, an den Rändern und teilt sich ihren Lebensraum gern mit Birke und Buche. Und mit den Kräutern, die im Frühjahr jede Grüne Soße erst ihren Namen geben. Sie enthält viele ätherische Öle, Enzyme und Senfglykosid, wirkt hustenlösend, wasserausscheidend und antiseptisch. Die zerriebenen, auf die Haut gelegten Blätter desinfizieren Wunden.

Wegerich ist der König des Weges. Ob er nun breite Blätter oder schmale hat; der Wegerich wächst auf festgetretenen Waldwegen und den verdichteten Wegen der Forstwirtschaft. Je dichter und härter der Boden, desto wohler fühlt sich der Wegerich. „Der Fußabdruck des weißen Mannes“ wird das hartnäckige Kraut auch genannt, denn aus Europa haben Menschen den Wegerich in der ganzen Welt verbreitet. Waldläufer schätzen den zuverlässig auf Forstwegen wachsenden Wegerich, denn die in der Hand zerriebenen Blätter lindern Insektenstiche, Verstauchungen und Schwellungen. Einfach auf die Stelle legen und festhalten.

Auch Gundermann wächst in deutschen Wäldern, an Wald- und Heckenrändern und erfreut Gourmets ebenso wie Heiler. Der aromatisch-minzige Geschmack des kleinen Krauts würzt Salate, Butterbrote, Eintöpfe und stärkte bis ins späte Mittelalter auch das Bier. Die kluge Kräuterfrau Hildegard von Bingen lobte Gundermann als „Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist heilsam.“ Sie empfahl Gundermann als Brustwickel oder Badezusatz bei Geschwüren und allerlei Atemwegserkrankungen. Die ätherischen Öle im Gundermann sind schleimlösend und helfen daher bei Bronchitis, Schnupfen, Husten. Entweder als Tee trinken oder den Dampf inhalieren.

Gundermann wächst in deutschen Wäldern, an Wald- und Heckenrändern

Das Scharbockskraut bedeckt im März den Boden in vielen Wäldern. Vor der Blüte gesammelt, stärken die wachsartigen Blätter den vom Winter geschwächten Organismus. Denn Scharbockskraut ist reich an Vitamin C, weshalb europäische Seefahrer die Blätter in früheren Zeiten gegen den Skorbut mit auf Reisen nahmen. Das junge Scharbockskraut kann den Salat oder Frühlingsspinat bereichern. Es wirkt blutreinigend und unterstützt die Frühjahrskur. Es soll außerdem hautreinigend wirken und als Tee gegen Hautverunreinigungen helfen.

Scharbockskraut ist reich an Vitamin C

Waldspaziergänger können ihre Mückenstiche mit dem Saft vom Giersch besänftigen. Einfach einen Stängel abbrechen und den frischen Saft auf die Insektenstiche tupfen. Die rohe Pflanze soll auch gegen Gicht helfen, was Wanderer vermutlich nicht gleich bemerken.

Giersch riecht beim Zerreiben der Blätter und Blüten nach Möhre oder Petersilie.
Giersch riecht beim Zerreiben der Blätter und Blüten nach Möhre oder Petersilie

Habt ihr noch mehr Pflanzen, die wahre Alleskönner sind oder Wirkungen haben, die wir noch nicht kennen. Schreibt es uns in die Kommentare. 

Author: Annie

Geboren im Januar 1977, erster Campingurlaub mit den Eltern 1978 in Steckelsdorf in einem ausgebauten Bauwagen, ab 1979 dann Camping in einem Klappfix CT 6-1 Trigano. Dann regelmäßig Camping an der Ostsee (Zinnowitz/Usedom), Prerow und andere Orte in Mecklenburg. Aber auch in der Tschechei. Heutzutage gehe ich gerne und viel wandern und erkunde viele Outdoor Aktivitäten mit Neugier und Spaß.

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